Internet of Things (IoT) – der Inbegriff von „smart“. Doch was heisst das konkret? Devices werden mit dem Internet verbunden und sind über die Internetverbindung ansprechbar. Informationen zum Betriebszustand oder aktive Rückmeldung über bestimmte Vorgänge – beides ist ohne Weiteres möglich. Im industriellen Umfeld haben sich mittlerweile drei Anwendungsfälle etabliert: Preventive & Predictive Maintenance, Remote Monitoring und Optimierung von Prozessen und Abläufen (Connected Factory, Industrie 4.0).

Internet of Medical Things – der Mehrwert für Patienten

Kommen IoT-Technologien und IoT-Szenarien im Kontext der regulierten Medizintechnik zum Einsatz, spricht man vom Internet of Medical Things (IoMT). Geräte-Software und Systeme werden vernetzt, wodurch Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden können. Ausserdem ist die Konzeption neuer Services beruhend auf diesen Daten möglich. Während IoT häufig im Zuge von Anlagenwartung, Energieoptimierung und Systembewirtschaftung zum Einsatz kommt, sind Anwendungsszenarien von IoMT beispielsweise die Vereinfachung der häuslichen Versorgung, Prävention, Optimierung von Logistik und Service von Medizinprodukten.

Die Vorteile:

  • Verbessertes Medikamente Management
  • Reduzierte Kosten
  • Angenehmere Erfahrungen für Patienten
  • Effizientere Diagnoseverfahren und Behandlung
  • Remote Monitoring bei chronischen Leiden
  • Verbessertes Handling von Krankheiten

Angesichts der prognostizierten Ausgaben im Gesundheitssektor für die nächsten Jahre muss eine Senkung von Kosten angestrebt werden. Eine Studie von Deloitte aus dem Jahr 2018 nennt hier beeindruckende Zahlen: Bis 2050 wird sich die Anzahl der über 65-Jährigen verdoppeln, die weltweiten Gesundheitskosten steigen zudem um ca. 4.2% pro Jahr. Gleichzeitig geht Deloitte davon aus, dass sich der Markt der vernetzten Medizinprodukte 2022 auf 52.2 Milliarden USD belaufen und damit signifikant wachsen wird. (https://www2.deloitte.com/global/en/pages/life-sciences-and-healthcare/articles/medtech-internet-of-medical-things.html).

IoMT: Change Management für die Gesundheitsversorgung

Um den geradezu explodierenden Kosten zu begegnen und sich den verändernden Nutzergruppen anzupassen, braucht es eine grundlegende Veränderung im Gesundheitswesen. Die Deloitte-Umfrage prognostiziert einen Wandel zu einem Abrechnungs- und Leistungsverständnis, das den Nutzen und nicht die Leistung in den Vordergrund stellt („Value Based Care“). Das Internet of Medical Things kann für diese Transformation eine der wichtigsten Grundlagen darstellen. Mit diesem Value Based Care Gedanken ergeben sich auch neue Treiber und Grundlagen für die Entwicklung von Medizinprodukten:

  • Bedürfnisse und Nutzungskontext des Endnutzers eines Gerätes stehen im Vordergrund, um den bestmöglichen Patientennutzen zu generieren.
  • Geräte und Plattformen müssen interoperabel werden. Verbindungen zwischen und zu Geräten, bzw. die Informationsübertragung selbst müssen sicher sein, um hohes Vertrauen in die Cyber Security zu garantieren.
  • Nutzungskontext, Interoperabilität und Sicherheit erhöhen das Vertrauen in Geräte, Lösungen und Systeme und fördern Akzeptanz für den Gebrauch und damit die Verbreitung von IoMT Anwendungen.

IoMT: Herausforderungen für Hersteller und Zulieferer

Für Hersteller oder Inverkehrbringer von Medizin- oder IVD Produkten prognostiziert sich mit dem IoMT ein Wandel hinsichtlich Angebot, Entwicklungstätigkeit und Geschäftsmodell. Mit IoMT Anwendungen werden zunächst vor allem Daten generiert. Erst die Nutzung dieser Daten schafft Werte. Das heisst, dass Unternehmen vermehrt Data Scientists rekrutieren, die mit ihren Ergebnissen entweder Dienstleistungen optimieren oder für den Anwender einen Nutzen generieren. Kurzum: Unternehmen werden in ihr digitales Talent investieren. Das Werteverständnis von Firmen ändert sich dahingehend, dass sie sich nicht mehr als Produktentwickler/-hersteller, sondern als Leistungserbringer verstehen, die mit und rund um ihre Produkte einen Nutzen für Anwender schaffen. Die regulatorische Welt muss sich an die Geschwindigkeit der Entwicklung von Software Lösungen anpassen.

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